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Polens Homosexuelle in Angst
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08.07.2005
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Nationalkonservative Politiker hetzen gegen Schwule und Lesben
Nach der "Gleichheitsparade" im Juni in Warschau klagen Polens Homosexuelle über eine neue Welle gewalttätiger Übergriffe. Homosexuellen-Organisationen werfen der Polizei vor, Delikte nachlässig zu behandeln.
VON THOMAS ROSER
Warschau · 5. Juli · Sicher können sich Schwule und Lesben selbst in einschlägigen Szene-Kneipen der Großstädte nicht mehr fühlen. In den vergangenen Wochen wurden in mehreren Städten Gay-Clubs von unbekannten Tätern demoliert und deren Gäste verprügelt; in Kattowitz wurde eine Lesben-Aktivistin mit einer Schrotflinte beschossen. Polnische Homosexuellen-Organisationen klagen nicht nur über nachlässige Ermittlungen der Polizei, sondern werfen den Rechtsparteien vor, Stimmung gegen Homosexuelle zu machen.
Die heftige Debatte um das Verbot der "Gleichheitsparade", die dennoch im Juni in Warschau stattfand, hatte Polens Homosexuellen zwar ein bis dahin ungekanntes Medienecho für ihre Anliegen beschert. Seitdem sehen sich Schwule und Lesben allerdings verstärkten Angriffen rechtsextremer Organisationen wie der Allpolnischen Jugend oder nationalistischer Fußball-Hooligans ausgesetzt.
Für die sich weiter drehende "Spirale des Hasses" macht Szymon Niemec, Präsident der polnischen Sektion der Internationalen Liga der Lesben und Schwulen (ILGA) auch nationalkonservative Politiker verantwortlich, die gleichgeschlechtliche Liebe als pervers und krank verunglimpften - und damit ihre Landsleute zur Homophobie ermunterten: "Seit der Parade hat sich die Situation für Polens Homosexuelle noch verschlechtert: Die Rechte hetzt gegen uns und die Linke schweigt tatenlos."
Laut einem ILGA-Rapport wagen immer weniger homosexuelle Opfer von Gewalt eine Anzeige. Zum einen verfolge die Polizei diese oft nur halbherzig, zum anderen fürchteten die Opfer die Rache ihrer Peiniger: Die Hälfte von ihnen wurde mehr als einmal angegriffen. Niemec, der in den vergangenen drei Jahren 120 Mal die Polizei wegen verbaler und tätlicher Übergriffe alarmierte, hat inzwischen zum Selbstschutz gegriffen: Er habe sich einen Feuerlöscher angeschafft - für den Fall, dass ihm ein Molotov-Cocktail ins Fenster segle.
fr-online, 5.7.2005
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